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OÖ Nachrichten | von Franz Zamazal | 17.03.2012
Glückwünsche für Balduin Sulzer zum 80er

Nur zu verständlich erscheint es, den bedeutendsten Komponisten Oberösterreichs, Musikpädagogen, Organisten,
Rezensenten, Domkapellmeister und Mentor, Balduin Sulzer, an seinem 80. Geburtstag am Donnerstag mit
einem Festakt des Landes Oberösterreich im Landestheater Linz zu ehren.

Teilgenommen haben hohe kirchliche Würdenträger, der Abt von Wilhering, Spitzen der Politik und der Universitäten
sowie ein randvolles Landestheater aus Weggefährten und Freunden.
Zur Einstimmung sang der Kinder- und Jugendchor des Landestheaters (Leitung: Ursula Wincor) mit klaren Stimmen
einige Sulzer-Lieder. Die Gratulation durch Landeshauptmann Josef Pühringer vermittelte ein deutliches „Abbild“ des
Jubilars mit seiner humorvollen Vitalität. Sulzers Biograph Norbert Trawöger veranschaulichte mit 80 aphoristischen
Randbemerkungen den Menschen und Künstler. Roman Zeilinger leuchtete als seinerzeitiger Intendant in die Urgeschichte
der Beziehungen zwischen dem Musiker und dem Theater. Im Mittelpunkt des Abends stand die Europäische Erstaufführung
von Sulzers Symphonie Nr. 5 mit dem ausgezeichneten Bruckner Orchester, von Dennis Russell Davies gewissenhaft geleitet.
Sulzer erklingt im Musiktheater
Das Beste ereignete sich am Ende des Abends auf der Bühne: die Verleihung der „Ehrenmitgliedschaft des Landestheaters“
an den Jubilar und der Auftrag, für das neue Musiktheater das Pausensignal zu schreiben, wodurch der Name Sulzer
„für alle Ewigkeit“ präsent bleibt. Sulzer, sichtlich gerührt, dankte mit den Worten: Er sei „baff, bäffer und baffissimo“.
Standing Ovations für das Geburtstagskind.

 

OÖ Nachrichten | von Michael Wruss | 18.08.2010
Biographie: Sulzer von A bis Z

Biografie von Norbert Trawöger (mit CD)
erschienen im Trauner Verlag
ISBN 978-3-85499-692-7

Biographien sind entweder wissenschaftliche Abhandlungen, deren Inhalt zwar korrekt sein dürfte, deren belletristische
Qualitäten aber eher zum Einschlafen führen, oder groß aufgeblasene Romane, die kleine Menschen zu kaum nachvoll-
ziehbaren Giganten machen.

Wie geht man nun an eine so divergente Persönlichkeit wie den oberösterreichischen Komponisten Balduin Sulzer heran?
Klar: weder noch. Dabei gibt es von der ersteren Gattung rund eineinhalb Werke, und die zweite blieb dem umtriebigen
Musiker, Lehrer und Ordensmann Gott sei Dank erspart. Vielfalt lässt sich wohl am besten durch vielfältigen Zugang dar-
stellen. Und den hat Autor Norbert Trawöger mit seinem „alphabetischen Lexikon“ auf den Punkt genau getroffen. Es ent-
stand ein Buch, das nicht von vorn nach hinten gelesen werden will, sondern das auf jeder Seite etwas Neues, vom
Übrigen zwar nicht Unabhängiges, aber doch Einzigartiges präsentiert. In einer positivistischen Art, die dem Porträtierten
ebenbürtig ist, einem humorvollen Menschen, der wie Peter Ustinov im „Humor eine komische Art, ernst zu sein“ versteht.
Das kapieren aber viele Zeitgenossen nicht und glauben, sowohl im Werk als auch in dessen Schöpfer nur das Heitere
entdecken zu müssen. Auch hier schafft Trawögers Antibiographie wertvolle Aufklärung. Insofern auch wertvoll, als
Norbert Trawöger aus einer gewissen Distanz, gleichsam aber auch aus seelenverwandter Nähe als Musiker, Musikkritiker
und Musikdenkender über Balduin Sulzer schreibt – aber nicht aus der Sicht des ehemaligen Schülers oder Kollegen.
Das macht den Band gerade für diese Gruppe, zu der sich der Rezensent demutsvoll zählen darf, besonders interessant.
Lehrer und seine Apostel
Den Lehrer aus ganz anderer Perspektive kennen zu lernen, die aber auch einer breiten Leserschaft nicht nur Einblicke in
ein hochinteressantes Leben und in die Werkstatt eines der wohl bedeutendsten lebenden Komponisten Österreichs bietet,
sondern darüber hinaus viel Erfahrenswertes über das Linzer Musikleben birgt, das viele seiner Apostel heute maßgeblich
prägt. Bibel ist es trotzdem keine geworden, aber ein ernsthaft heiteres Alphabet, das das Chaos genauso thematisiert wie
Kratzbürsten und die Frage nach dem „Stylus Sulzeriensis“ ebenso aufwirft, wie es die 341 Werke penibel auflistet.
Ein liebenswert gestaltetes Lesebuch voll Unterhaltung bei großem Informationswert.

 

OÖ Nachrichten | von Michael Wruss | 22.09.2009
09Circus: Ensemble09 begeisterte mit Sulzer-Werk
Qirlig wie ein Flohzirkus

Konzert: Ensemble09 (21. Juli)

Im Zirkus begibt man sich auf eine Reise in die Kindheit, denkt an die leuchtenden Augen zurück, die das schlichtweg
Unfassbare bestaunten. In dieses Stadium hat uns Balduin Sulzer am Montag im Linz09-Circus zurückversetzt.
„La Comédie en Musique“, ein musikalischer Zirkusspaß, rauschte da durch die Manege. Und wenn die Noten quirlig
wie ein Flohzirkus im Raum herumtänzelten, gleichzeitig erdschwer der Zirkusrealität verhaftet blieben, dann zeigte
das nicht nur eine unglaubliche Vielfalt kreativer Inspiration, sondern auch tiefgreifende Ernsthaftigkeit, das Komische
nicht zum Selbstzweck verkommen zu lassen.

Beißende Karikaturen

Natürlich lesen sich schon die Titel der zehn Sätze der uraufgeführten „Zirkussymphonie für Kammerensemble“ wie
aberwitzige Wortkreationen. Aber wie bei jedem guten Clown steckt hinter der heiteren Fassade bitterer Ernst, und
erst der macht aus einem „Intermezzo der Waschbären“, einem „Notturno der Froschkönigin“ oder gar einer „Gala der
Rotznigel“ bittersüß beißende Karikaturen. Klangfarbe und Virtuosität, kleinräumige Struktur und große Form waren
die bestimmenden Parameter dieser bloß nach außen hin einfach spaßigen Notenansammlung.

Eine Hetz

Die szenische Einrichtung von Hanspeter Horner und das fabelhaft musizierende und artistisch agierende Ensemble09
stellten die Hetz in den Vordergrund. Die angepeilte Länge einer Schulstunde übertraf Lehrer Sulzer gewaltig, aber so
wie man jedem guten Clown endlos zuschauen möchte, kann man auch einem guten Lehrer schier endlos folgen – auch
wenn er manchmal vor lauter Begeisterung ins Plaudern gerät.

Gerade dieses Parlieren bot den Musikern solistische Möglichkeiten, die einerseits zeigten, wie präzise und virtuos Sulzer
mit den Instrumenten umzugehen weiß, und andererseits wie diese nicht geringen Ansprüche leidenschaftlich ausgeführt
wurden. Spaß, nein, Lebensfreude auf allen Seiten. Stürmischer Applaus für den Komponisten und die fabelhaften
Linz09-Solisten, die sich im Programmheft eine Erwähnung verdient hätten.


 

 

Neues Volksblatt | von Fridolin Dallinger | 22.09.2009
So heiter kann Musik sein

 

Im „Circus“-Zelt von Linz09 im Gelände des Linzer Bergschlössls fand am Montag die Uraufführung von Balduin Sulzers
„La Comédie en Musique“ statt. Eine Zirkussinfonie für Kammerensemble nennt sie der Komponist im Untertitel, und so
wie im echten Zirkus gibt es darin auch eine bunte Mischung heiterer und spannender Nummern. Das die Romantik
ironisierende „Notturno der Froschkönigin“ und das knallige Blechbläserstück „Endlich die Clowns!“ seien aus den
insgesamt zehn Nummern namentlich hervorgehoben. Das aus Streichern, Holz- und Blechbläsern sowie einer reich-
haltigen Schlagzeuggruppe bestehende „Ensemble 09“ agierte auch ohne Dirigent tadellos. Die durchwegs jungen
Ensemblemitglieder machten bei den ständig wechselnden Positionen (szenische Einrichtung Hanspeter Horner)
jeden Spaß mit. Da setzte man schon auch einen komischen Hut oder eine rote Nase auf, spielte Federball oder las in
den Satzpausen Zeitung. Die nuancenreiche, an Ironie und Humor nicht mangelnde Musik wurde jedoch konzentriert
und präzise umgesetzt, sehr zur Freude des zahlreich erschienenen Publikums und des anwesenden Komponisten.


 

Kronenzeitung | 22.09.2009
Sulzer-Uraufführung im "Circus09": Clowneskes Fluidum

Enthusiastisch beklatscht und betrampelt wurde die Uraufführung von Balduin Sulzers „La Comédie en Musique“,
eine Zirkussinfonie für Kammerensemble im Circus-Zelt von Linz09, das derzeit beim Linzer Bergschlössl Quartier
bezogen hat.
Das zehnsätzige Stück ist spürbar vom komödiantisch-clownesken Fluidum einer Zirkuslandschaft angeregt,
arbeitet mit akrobatisch aufgeheizten Musikabläufen, mit Tanzleidenschaft und Bewegungscharisma. Dazu parodistisch
und satirisch verfremdete sinfonische Strukturen und extravagante klangliche Einfärbungen. Sehr unterhaltsam auch die
von Hans Peter Horner mit treffsicherem Einfallsreichtum entwickelte szenische und beleuchtungstechnische Dramaturgie.
Höchste Anerkennung für das auf bewundernswertem Niveau arbeitende Ensemble09.




Drehpunkt Kultur | von Norbert Trawöger | 19.10.2007
Balduin Sulzers ”Tractatus logico philosophicus”, eine musikalische Annäherung
an Ludwig Wittgenstein für Sopran solo, wurde am Donnerstag (18.10.2007) im
Brucknerhaus Linz uraufgeführt.


Ein philosophisch-musikalisches Hochamt ist Balduin Sulzers Vertonung von Ludwig Wittgensteins
“Tractatus logico-philosophicus” für Sopran und unterschiedliche Klanggeräte. Es war vor allem die
Stunde der Anna Maria Pammer, die Sulzers “musikalische Annäherung” in präzis betörender Theatralik
und großer Stimmgewalt zu zelebrieren wußte. Balduin Sulzer nähert sich Wittgensteins frühem philosophischen
Grenztext in durchtrieben asketischer Art an. Er katapultiert den Text durch rezitativischen Sprechgesang,
der zwischen Gregorianik, barocker Passionsberichterstattung und “pierrotscher” Wortgestik changiert,
in eine Zone, die die eigene Wahrnehmung zwischen Text und Musik offen und pendeln lässt.
Nach einiger Zeit ist das eigene text-aufnehmende Fassbarkeits-Fass voll und man verfällt
vollends Sulzers monodischer Kraft: Man gerät in einen archaischen Dämmerzustand, in
dem der Komponist Wittgensteins Satzbäume zu einem begehbaren Wald werden lässt.
Und in genau dem Moment setzt sich Anna Maria Pammer an den Schreibtisch, schraubt
ihre Stimme fl irrend, fl üsternd hoch - und gibt einem die Bäume wieder zurück. Pammer,
in einen Wittgenstein’schen Trenchcoat gehüllt, ist in jedem Moment souveräne Meisterin,
ja nahezu Beherrscherin der Vorgänge. Sie hält geschickt inne, nutzt die sparsam vorgeschriebenen
Klanggeräte wie Triangel, Gong, Peitsche, Guirro in ihrer rituellen Zeichensetzung.
Zauberbevollmächtigt.
Alles spitzt sich zu auf den letzten Satz “Wovon man nicht sprechen kann, darüber muss
man schweigen”. Melismierend setzt Sulzer den Schlusspunkt, ein sanfter Gongschlag folgt
und der Zauber hat ein Ende, aber er wirkt nach.

 

 



OÖN | von Michael Wruss | 20.10.2007Balduin Sulzers ”Tractatus logico philosophicus”, Wittgensteins Philosophie in Noten gegossen

Eine Oper, Eine Kantate, Ein gesungenes Telefonbuch, Nein! Am Mittwoch war im Brucknerhaus
ein einzigartiger, mutiger Versuch zu erleben, scheinbar spröde philosophische Literatur in Musik
zu gießen. Es war gleichzeitig der Auftakt der Residenz von Anna Maria Pammer, die in den nächsten
drei Jahren dem Linzer Konzerthaus eng verbunden sein wird.
Es handelte sich aber nicht um irgendeinen philosophischen Text, sondern um einen, der
zu den bedeutendsten Denkanstößen des 20. Jahrhunderts zu zählen ist: Ludwig Wittgensteins
„Tractatus logico-philosophicus“. Und Balduin Sulzer hat dazu Musik erdacht, die auf
den ersten Blick nicht spröder sein könnte und doch einen unglaublich spannenden Abend
bescherte. Sulzer hat hier eine Ein-Frau-Oper geschrieben, ein Werk für Sopran solo und
sonst nichts. Die einzige nicht vokale Zutat waren Schlaginstrumente, die die Sängerin
höchst ausdrucksvoll selbst zum Klingen brachte.
Die musikalische Grundidee geht von der Musik der Entstehungszeit des Tractatus, also
der Zeit des Ersten Weltkriegs, aus und greift mit den gewagt großen und schwierig zu
treffenden Intervallen und dem aberwitzig schnellen und in extremsten Höhen gefl üsterten
Sprechgesang auf die Wurzeln neuer Gesangskultur der Zweiten Wiener Schule zurück.
Aber nicht nur in der Textrealisation fi nden sich Bezüge zu Schönberg, sondern auch in der
reihenförmigen Struktur der Töne, die dem 75-Minuten-Werk Zusammenhalt gibt. Minutiös
deutet Sulzer die Sätze, legt Schwerpunkte auf einzelne Ausdrücke, markiert immer
wiederkommende Wörter – so zum Beispiel den Begriff „Sachverhalt“, dessen Sprachrhythmus
jedes Mal mit dem Holzblock mitgeklopft wird.
Damit treibt er die Akribie und Insistenz des Textes auf die Spitze, analog zum fast
krankhaften Ordnungsfi mmel des österreichisch-britischen Philosophen. Anna Maria Pammer
– auch wenn sie es nicht gerne hört – ist eine echte Spezialistin für zeitgenössische
Musik. Deshalb, weil sie jede Note ernst nimmt und so auch zu beseelen weiß.
Von ihr kam auch die Idee, das Stück szenisch zu realisieren, also entweder am Pult stehend
zu dozieren, oder nervös nach Lösungen suchend umherzulaufen, oder in Gedanken
versunken am Schreibtisch sich erkennend auf die Stirn zu schlagen.
Gelungener Auftakt
Atemberaubend war aber nicht nur die szenische Umsetzung, sondern vor allem die unglaublich
deutliche Diktion, die jedes Wort verständlich machte. Ein höchst gelungener Auftakt für die Artist
in Residence und eine das Publikum begeisternde Premiere für ein Opus magnum Balduin Sulzers.